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06.12.2025: Für Energiewende, gegen Atomgefahren: Passauer Temelin-Plattform tauft sich um
Vor 25 Jahren gründete sich die „Überparteiliche, bayrische Plattform gegen Atomgefahren, insbesondere aus Temelin e.V.“. Jetzt äußerten die Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung, dass dieser Name nicht mehr recht passe und deshalb eine Änderung sinnvoll wäre. Jetzt hat sich die Plattform umgetauft.
Als neuer Name wurde einheitlich vorgeschlagen: „Plattform für Energiewende und gegen Atomgefahren“ (PEGA). Diese Namensänderung muss noch laut Registergericht bei der Einladung zur nächsten Jahreshauptversammlung 2026 angekündigt und dann mit zwei Dritteln der Anwesenden bestätigt werden.
Plattform-Sprecher erklärt die Hintergründe für die Namensänderung
Die Umbenennung erfolgt nicht, weil die Gefahren der Atomkraft verschwunden und die Reaktoren in Deutschland stillgelegt seien. „Viele Menschen etwa ab dem Jahrgang 1990 fühlen sich im Jahr 2025 von den Ereignissen und Protesten in Deutschland und Österreich aus der Zeit der Inbetriebnahme dieses Atomkraftwerks eher wenig betroffen“, so Plattformsprecher Gerhard Albrecht in einer Pressemitteilung. Zudem habe aber die Bürgerinitiative bei ihrer Gründungsveranstaltung im Jahr 2000 (und jetzt noch 1474 Mitgliedern) als ein wesentliches Satzungsziel auch die Förderung Erneuerbarer Energien – also eine Energiewende – festgeschrieben.
Bei den Neuwahlen gab es einige neue Gesichter. So gehören in Zukunft zur Vorstandschaft: Pfarrer Markus Krell als stv. Vorsitzender, Dr. Achim Spechter und Thomas Schiermeier als Beisitzer.
Zuvor hatte die Kassenprüferin Elisabeth Tesche der Kassierin Inge Sommer eine einwandfreie und sehr übersichtliche Darstellung der Finanzen bescheinigt. Die Entlastung der Vorstandschaft erfolgte dann ohne Gegenstimme.
Kostenlose Infofahrt für Schulen
Im Bericht des Vorsitzenden Gerhard Albrecht kamen bisherige Aktivitäten zur Sprache, so z.B. ein Vortrag des Energieberaters Richard Hettmann über das Gebäudeenergiegesetz in Kellberg, sowie Medienbeiträge zu Plänen in Tschechien bezüglich neuer kleiner Atomkraftwerke (sog. SMR). Zudem standen in der Vergangenheit u.a. 11 Busfahrten auf dem Programm. Diese führten zu Orten mit Anlagen für Erneuerbare Energien in Ober- und Niederbayern und Oberösterreich. Dabei ging es um Besichtigungen von Windkraftanlagen, Blockheizkraftwerken, Pelletsheizungen, Nahwärmeprojekten, Holzvergaseranlagen, Plusenergiehäuser und Biogasanlagen.
Für Schulen in Stadt und Landkreis Passau wurde eine (kostenlose) Infofahrt angeboten. Diese führte zum Windpark Vorderweißenbach in Österreich, zu einer Biogasanlage in Untergriesbach und zu einem kleinen Wasserkraftwerk in Wegscheid. Dieses im Unterricht sehr gründlich vorbereitete Angebot sei nur von einer einzigen Schule (Leopoldinum mit StD Gunther Willeitner) zweimal angenommen worden. Sehr groß hingegen war laut Albrecht das Interesse an Vorträgen in der Uni Passau mit dem inzwischen verstorbenen Energieexperten und Verfasser des „Erneuerbaren Energiegesetzes, EEG“ Hermann Scheer, dem ebenfalls inzwischen verstorbenen Physiker Hans-Peter Dürr und bei wiederholten auch für Laien sehr verständlichen Referaten des Plattformmitglieds und Bestseller-Buchautors („So retten wir das Klima“) Prof. Dr. Michael Sterner in Passau, Freyung oder Vilshofen.
Vorsitzender bedauert stockende Energiewende
Insgesamt bedauerte der Vorsitzende, dass gegenwärtig unverzichtbare Projekte zur Energiewende in den jeweiligen Gemeinden auf Ablehnung stießen. Als Beispiele nannte er den inzwischen sechs Jahre alten „Plan“ für einen Windpark in Hauzenberg sowie die Errichtung eines großen Batterie-Stromspeichers. Ein derartiger Batteriestromspeicher wird auch in Pleinting nicht errichtet. An der Zustimmung der Gemeinden scheiterten bisher auch die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen u.a. in Triftern, Kößlarn, Simbach usw.
Eine andere Position nähmen hier die Gemeinden Aldersbach und Neuburg ein. Hier habe es keine Einwände gegen mögliche Standorte von Windkraftanlagen gegeben. An der Gemeindegrenze von Fürstenzell und Neuburg sei zudem ein rund 50MW Batteriespeicher bereits in Planung. Albrecht berichtete noch von seinem Besuch in Grafenrheinfeld im August des Vorjahres. „Dort sanken innerhalb von wenigen Sekunden die beiden Kühltürme des AKWs in sich zusammen. Damit war zwar die sogenannnte ‘friedliche‘ Atomkraftnutzung in deutschen AKWs zu Ende, aber diese rund eine einzige Generation dauernde angeblich billige Form der Stromerzeugung wird noch vielen Generationen mit ihrer Erblast teuer zu stehen kommen.“
Die Mitglieder kamen auf Vorschlag von Karl Haberzettl überein, dass sich die Plattform dem „Klimabündnis Passau“ anschließen möge.
19.11.2025: 25. Jubiläum bei Passauer Verein gegen Atomgefahren: Mitgründer zieht Bilanz
Vor 25 Jahren ging das Atomkraftwerk in Temelin, Tschechien an den Start. Ein Projekt das damals viel Kritik bekam. Im gleichen Jahr gründete der Passauer Gerhard Albrecht die Überparteiliche bayerische Plattform gegen Atomgefahren, insbesondere aus Temelin e.V. Im Gespräch mit der PNP erzählt er von den Anfängen des Vereins und ihren aktuellen Forderungen.
Herr Albrecht, wieso hat sich der Verein damals gegründet?
Die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes in Temelin - nur etwa 100 Kilometer von Passau entfernt - hat mich und viele andere damals so aufgebracht, dass wir etwas dagegen unternehmen wollten.
Wie lief die Gründung ab?
Am 21. November 2000 war unsere Gründungsversammlung in Passau. Seitdem sind wir ein eingetragener Verein. In dieser Zeit hatten wir auch bereits begonnen, Unterschriften gegen Temelin zu sammeln, innerhalb von einigen Wochen waren davon 70 000 in Stadt und Landkreis Passau sowie im Raum Freyung beisammen.
Mit welchen Zielen sind sie an den Start gegangen?
Wir hatten zwei spezielle Ziele: Zum einen wollten wir die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass das Atomkraftwerk Temelin eine Gefahr darstellt und deshalb abgeschaltet werden muss. Zum anderen hielten wir Informationsveranstaltungen zum Thema "erneuerbare Energien". Denn ich war und bin der Ansicht, dass es nicht nur darum geht, gegen etwas zu sein, sondern man auch eine Alternative anbieten muss.
Welche Gründe hatten Sie, das Atomkraftwerk Temelin als gefährlich einzuschätzen?
Der Schutzbehälter über dem Reaktorkern war im Vergleich zu anderen AKWs viel dünner. Außerdem gibt es in jedem Atomkraftwerk Steuerleitungen. In Temelin sind diese - ohne Barrieren - direkt neben den Hochdruck Dampfleitungen platziert. Wenn bei diesen ein Schaden auftritt, wäre eine Steuerung des Kraftwerks wohl nicht mehr möglich.
Können Sie nach 25 Jahren Bilanz ziehen: Wie hat sich der Verein über die Jahre engagiert?
Wir haben in den ersten Jahren viele Demonstrationen durchgeführt, zum Beispiel in Philippsreut an der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien. Zu den erneuerbaren Energien hatten wir auch Vorträge, zum Beispiel an der Uni Passau u.a. mit dem bereits verstorbenen Physiker Hans-Peter Dürr, dem Träger des Alternativen Nobelpreis Hermman Scheer (verstorben), oder mit Professor Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg. Ich selbst habe in unserer Gegend bei verschiedenen Veranstaltungen über die Gefahren von Atomkraft und die Chancen der Erneuerbaren Energien informiert.
Was ist Ihre größte Kritik an Atomkraft?
Strom aus neuen Atomkraftwerken ist die teuerste Art der Energiegewinnung. Auch die ehemaligen AKW-Betreiber in Deutschland halten eine "Wiedergeburt" dieser Technik in Deutschland für ausgeschlossen. Der frühere Siemenschef Joe Käser sagt, es gäbe auch heute weltweit kein Atomkraftwerk, das ohne staatliche Subventionen gebaut werden könne. Deshalb ist der aktuelle Vorschlag von Ministerpräsident Markus Söder, mit SMR (small Modular Reaktor) die Wirtschaft mit billiger Energie versorgen zu können nicht mehr als eine Seifenblase.
Auf was setzen Sie dann?
Wir setzen uns dafür ein, dass mehr erneuerbare Energien verwendet werden. Denn von diesen geht auch kein Gefahrenpotenzial aus. Erneuerbare Energien halten das Geld in der Region. Sie machen uns energiepolitisch autark. Weltweit wurden im letzten Jahr mehr Gelder in erneuerbare Energien investiert als in fossile.
Ist der Verein heute noch aktiv?
Auf jeden Fall weniger als noch vor 25 Jahren, viele unserer Mitglieder sind auch älter geworden. Aktuell haben wir noch 1400 Mitglieder, zu unseren besten Zeiten waren es 2500.
30.11.2023: Weniger AKW, dafür mehr Energiewende
Bedingt durch die Pandemie fand die Jahreshauptversammlung der Plattform gegen Atomgefahren (Temelin) mit Neuwahlen erst heuer statt. Im Gasthaus Spetzinger in Salzweg erläuterte Plattformsprecher Gerhard Albrecht, warum sich die Initiative seit längerem weniger mit dem AKW Temelin und dafür mehr mit der Frage der Energiewende in Deutschland befasse.
„Wir haben bei unserer Gründung im Jahr 2000 neben nötigen Aktionen gegen Atomkraft und speziell gegen das AKW Temelin gleichwertig auch Aktivitäten für eine unverzichtbare Energiewende in unserer Satzung verankert.“ Zudem sei alleiniges „Nein-Sagen“ ohne Alternativen anbieten zu können nicht zielführend. Dies stelle sich heute auch nach über 20 Jahren als unverzichtbar heraus, nachdem – so Beisitzer Urban Mangold – inzwischen die Zahl derjenigen wachse, die als rettenden Ausweg eine Wiederbelebung der Atomkraft versuchen. Als Rettungsanker werde hier immer wieder auf die SRM (kleine modulare Reaktoren) verwiesen, die inzwischen auch in Tschechien diskutiert werden. Ein in Bau befindlicher Prototyp in den USA sei allerdings wegen drastischer Kostenüberschreitung und fehlendem Abnehmerinteresse eingestellt worden. Im übrigen bestehe auch in Tschechien – was die Endlagerung des Atommülls angehe – dasselbe Problem wie in Deutschland, so Mangold. Überall dort, wo ein Endlager ins Gespräch komme, stünden die Bürger auf. Mehrheitlich sei die tschechische Bevölkerung aber immer noch für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. „Ich werde den Gewinn einer Wette zwar nicht mehr einlösen können, aber niemand, der heute älter als 40 Jahre ist, wird in Deutschland jemals die Eröffnung eines Atom-Endlagers erleben können“, meinte Albrecht. Umso mehr, besonders wegen der Klimakatastrophe, sei es nötig, die vorhandenen und weltweit einsetzbaren Energiealternativen zu fördern, stellte Beisitzer Eike Hallitzky fest. Dass dabei etwa das aktuelle Gebäudeenergie-gesetz eine „komplizierte Risikogeburt“ war, dürfe nicht verschwiegen werden. Inzwischen habe der Gesetzgeber zugesagt, mit beträchtlichen Fördermitteln die finanziellen Belastungen möglichst gering zu halten. „Es steht und stand nirgends geschrieben, dass ab 1. Januar jeder Hausbesitzer seine bestehende, auch reparaturbedürftige Öl- oder Gasheizung herausreißen muss.“ Diese Regelung gelte erst ab dem Jahr 2045. Ab diesem Zeitpunkt dürfen keine fossilen Heizungen mehr betrieben werden. Investitionen in neue Heizungen – allerdings nur mit 65 Prozent erneuerbaren Energien – würden derzeit stark gefördert. Es sei daher nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten „arg kurzsichtig“, jetzt noch schnell eine Öl- oder Gasheizung zu installieren, da diese Energieträger nicht nur wegen des geplant steigenden CO2-Preises deutlich teurer würden.
Das Heizungsenergiegesetz war übrigens, so Albrecht, auch Thema eines Vortrags, den Energieberater Richard Hettmann kürzlich für die Plattform in Kellberg gehalten hatte (PNP berichtete). Als nächste Veranstaltung plane die Plattform, mit Hausbesitzern, die seit vielen Jahren eine Wärmepumpe betreiben, einen Vortragsabend, auf dem diese dann ihre Erfahrungen mitteilen werden.
Bei den Vorstandswahlen, die bei dieser Versammlung auch auf der Tagesordnung stand, wurde die Vorstandschaft einstimmig bestätigt.