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07.02.2026: Kein Argument, sich jetzt zurückzulehnen
Zum Bericht über das PNP-Podium mit dem Landratskandidaten vom 2. Februar:
Was haben Kartoffelbauern im Gäuboden, BMW-Mitarbeiter in Dingolfing und die Betreiber von Erneuerbaren Energien im Landkreis Passau gemeinsam? Ganz einfach: Sie produzieren über ihre Verhältnisse, genauer über ihren eigenen Bedarf. 1500 BMW-Modelle am Tag allein für die Einwohner der Stadt Dingolfing vom Säugling bis zum fast fahruntüchtigen 100-jährigen Greis. In weniger als vier Wochen ist der Bedarf gedeckt. Und auch die dortigen Landkreisbewohner müssen nicht auf das Lastenrad umsteigen. Wohin aber mit den Tausenden Säcken voller Kartoffeln aus der Kornkammer Bayerns? Die Bewohner des Gäubodens wären längst an Pommes, Kartoffelsalat und Reiberknödel erstickt! Nun, der Landrat von Passau, Raimund Kneidinger, hat im Vergleich dazu einen „modifizierten“ Blick: „Wir verbrauchen weniger Strom als wir erzeugen.“ 160 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen sind doch wohl 60 Prozent über dem „Soll“. Wer so argumentiert, kann hiermit vielleicht unbedarfte Zuhörer beruhigen, er kapituliert aber vor den Fakten: Strom ist zwar immer Energie, aber nicht jede Energie ist auch Strom. Energie nutzen wir in viel größerem Umfang derzeit mit Gas oder Öl für Wärme und Mobilität. Greift man nun zurück zur „beruhigenden Magie der Prozente“, dann entfallen – auch im Landkreis Passau – auf Strom 12 Prozent, die restlichen 88 Prozent der verbrauchten Energie aber auf den Autotank und den Ofen. (Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept des Landkreises Passau, 2013). Die vom Landrat erwähnten 160 Prozent verlieren dadurch schnell ihre „Zauberkraft.“ Um zum Abschluss nochmal in den Kartoffelsack zu greifen: Kartoffeln können jährlich gesät werden, sie wachsen immer wieder nach; bei Öl und Gas trifft dies nicht zu. Ganz besonders aber macht deren Verbrennung unbestreitbar bereits 2026 für einen Großteil der Menschheit ihre Heimat unbewohnbar. Kurzum: 160 Prozent Erneuerbare beim Strom sind noch lange kein hinreichendes Argument, sich selbstzufrieden zurückzulehnen und auf „ökologische Heiligsprechung“ zu warten.
29.11.2025: Bitte aufzeigen
Zum Artikel „Söder fordert Bau von Mini-Atomkraftwerken“ vom 17. November 2025:
„Nein, man kann sie nur bewundern die ‚Prinzipientreue‘ des bayerischen Ministerpräsidenten: Nach Fukushima im Jahre 2011 drohte er mit Rücktritt, sollten ältere deutsche AKWs nicht umgehend abgeschaltet werden. Jetzt, 14 Jahre später, sind alle vom Netz, aber Söder will sein ‚altes Spielzeug‘ wieder haben und verkündet Bayern als zukünftigen Standort für mehrere – angeblich serienmäßig herstellbare – kleine Atom-SMR (= Small Modular Reactor). Ohne hier die unrealistischen Versprechungen bezüglich Kosten, Realisierbarkeit und konkreten Praxiserfahrungen anzuführen, scheint mir eine Frage unvermeidbar: Für welche Regierungsbezirke hat er dabei die Baugruben im Kopf? Denkt er hier an Oberbayern, an Mittelfranken, seinen Heimatbezirk oder vielleicht doch eher an Niederbayern? Hier erzielt er bei Wahlen doch immer satte Ergebnisse, muss also viele Anhänger haben. Wäre es deshalb nicht höchste Zeit, dass sich alle bayrischen Landkreise, alle Kommunen deutlich zu Wort melden? Bitte aufzeigen, welcher bayerische (Ober-)Bürgermeister, welcher Landrat, welcher Stadt- oder Gemeinderat will einen derartiges AKW im Bonsai-Format innerhalb seines Wirkungskreises? Übrigens zweifeln inzwischen selbst seine Parteifreunde an seinem Atomkurs: Nach seiner Ankündigung, bevorzugt Strom von neuen grenznahen tschechischen Atomreaktoren beziehen zu wollen, haben sich heuer im März im Bezirkstag seine eigenen Parteifreunde mit ihren ‚andersgläubigen‘ Mandatsträgern in einer Abstimmung mehrheitlich (16 zu 7!) gegen diese Atomstromimporte ausgesprochen und eine entsprechende Resolution an die Staatsregierung gerichtet. Und noch was: Wenn ein Bauer in Deutschland einen Schweinestall bauen will, braucht er für die Baugenehmigung einen Entsorgungsnachweis für die Gülle. Glaubt auch hier wie in der Vergangenheit der ‚promovierte Polit-Physiker‘ Markus Söder bei seinem neuen Atom-Projekt, dass allein außerhalb der weiß-blauen Landesgrenzen der einzig sichere Platz für bayerischen Atommüll ist?“
05.08.2025: Anerkennung für die Verbandsversammlung
Zum Artikel „Fast geschlossen für das bisherige System“ vom 1. August 2025:
Das vor bald 30 Jahren (vom damaligen Landrat Hanns Dorfner und Geschäftsführer Gerhard Neumüller) eingeführte und gut funktionierende System der getrennten Wertstofferfassung sollte im Gebiet des ZAW durch eine Gelbe Tonne „verschlimmbessert“ werden. Den Mitgliedern der Verbandsversammlung ist große Anerkennung dafür auszusprechen, dass sie diesen Weg – Ver-packungsabfälle mit einer weiteren Tonne zu sammeln – mit überwältigender Mehrheit (23:2) nicht gehen wollen. Denn das entscheidende Ziel, eine Steigerung der stofflichen Verwertung, zum Beispiel der Plastikabfälle, zu erreichen, wäre hiermit nicht möglich. Es bliebe hierfür auch dann wie in allen Regionen mit Gelber Tonne aus physikalischen Gründen nur die „thermische Verwertung“. Diese „Ent-Sorgungs“-Methode kann – so die Auskunft des ZAW-Werkleiters Karl-Heinz Kellermann – zwar auch mit dem bisherigen System der Recyclinghöfe nicht ausgeschlossen werden. Allerdings würde der Lebensweg der Plastik-Wertstoffe zum Ofen durch eine andere Zwischenstation (Gelbe Tonne) nur verlängert. Solange wir aber einem System unterliegen, bei dem nur das Feuer die vermeintliche Rettung (oder Erlösung) bringen kann, stecken wir in der Sackgasse. Entscheidend ist letztlich bei allen Produkten, die wir in die Welt setzen, der ganzheitliche Blick auf den Prozess „von der Wiege bis zur Bahre.“ Sehr anschaulich wird die Thematik in der ZDF-Sendung „Die Plastikanstalt“ vom 27. Mai 2025 (siehe Mediathek) dargestellt.
02.06.2025: Hybris
Zum Artikel „AKW-Zwischenlager wird zu Langfristlösung ausgebaut“ vom 28. Mai 2025:
Deutsche Atomkraft ist billig und sicher‘ war und ist das volksverdummende Dogma vergangener Jahrzehnte und des Jahres 2025. Sobald nun aber bei der Endlagerfrage Granit als mögliches Gestein in die Diskussion gerät, dann ist und bleibt bekanntlich für die Staatskanzlei sofort eines klar: Weiß-blaue Gesteine scheiden hier von vornherein aus! Laut Gesetz soll ein atomares Endlager die sichere Verwahrung für eine Million Jahre – also nach menschlichem Maß für immer und ewig – gewährleisten. Übersteigt aber der ,Zeit‘-Begriff ,Ewigkeit‘ nicht jegliche menschliche Vorstellungskraft? Dem Feiertag ,Christi Himmelfahrt‘ wird eine Glaubenserfahrung vor bescheidenen 2000 Jahren zugrunde gelegt. Der theologisch-religiöse Begriff ,1 Million Jahre‘ ist natur-wissenschaftlich kaum zu fassen. Niemand kann voraussagen, was innerhalb der nächsten 1000, 10 000, 100 000 oder einer Million Jahre geschehen wird. Politisch wird es Europa (...) in der heutigen Form nicht mehr geben. Auch 1000-jährige Reiche überlebten kürzlich – Gott sei Dank – keine zwei Jahrzehnte. Wer unter diesen Bedingungen eine absolut sichere Verwahrung unseres (auch des bayerischen!) Atommülls garantieren will, der hat vom ,Baum der Erkenntnis‘ eine ,ganze Kiste von Äpfeln‘ verspeist. Wir können nur mit dem Bewusstseinsstand von heute eine Lösung finden, die uns aktuell als relativ sicher erscheint. Dies schließt eine mögliche Rückholbarkeit ein. Genauso wenig wie wir 2025 über Geschehnisse in 50, 100 oder 1000 Jahren Voraussagen treffen können, sind Prognosen über das Auftreten oder das Ausbleiben neuer Erkenntnisse in dem Zeitraum möglich. Damit soll keinesfalls im nachhinein die Verantwortungslosigkeit der Atomkraftnutzung entschuldigt werden, aber die Hybris zu glauben, die Endlagerfrage wäre aktuell demokratisch (...) und ethisch vertretbar zu beantworten, entspringt der wahnwitzigen Vorstellung, dass wir fehlbaren Menschen uns mit einem „Fernrohr“ auch zu „Herren über Zeit und Ewigkeit“ erheben könnten.
05.07.2024: Stromsee
Zum Bericht „Ladesäulen wachsen im Wohngebiet“ vom 3. Juli 2024:
Der Bericht über die erfreulich wachsende Zahl von Ladesäulen für Elektroautos im Stadtgebiet ist erfreulich. So können in Zukunft also auch mehr nicht privilegierte Zeitgenossen (ohne Einfamilienhaus) ihr Elektrofahrzeug laden. An einem Satz im PNP-Bericht jedoch bin ich hängengeblieben. Nach wörtlich zitierter Aussage der Stadtverwaltung „kommt zum Laden von E-Fahrzeugen ausschließlich Ökostrom zum Einsatz.“ Dies ist leider rein physikalisch nicht möglich. Hierfür müsste nämlich von jeder Ladesäule eine Stromverbindung zur nächsten Solaranlage, zum nächsten Wasserkraftwerk oder zum nächsten Windrad bestehen. Nach aktuellen Meldungen liegt der Anteil von Ökostrom in Deutschland aktuell bei 58 Prozent. Vergleicht man unser Stromnetz mit einem (Strom-) See, so besteht der Inhalt dieses Sees derzeit zu rund 58 Prozent aus Strom aus den erwähnten Quellen. Mit jedem neuen Windrad, jeder PV-Anlage wird dieser „See“ „sauberer“, weil z.B. Kohlestrom verdrängt wird. An öffentlichen Ladesäulen kann im Vergleich zu einer privaten PV-Anlage also nicht mehr als 58 Prozent reiner Ökostrom „getankt“ werden. Wer nun mit einem E-Auto fährt, ist aber deswegen noch lange nicht besonders umweltfreundlich, bestenfalls weniger umweltschädlich. Schließlich ist das ganze „Drumherum“ um unsere (auch meine eigene!) Auto-Mobilität alles andere als ein Segen für den Globus. Eine letzte Anmerkung zur sonderbaren Überschrift: Mit einer sozial- und umweltverträglichen Fahrweise kommt man ohne Zwischenladestopp mit einem Mittelklasse-Elektroauto von Passau zum Chiemsee und auch wieder zurück. Hier kann man dann – vielleicht an einer der neuen Ladesäulen – sein Auto wieder aufladen….
21.11.2023: Echter Doppelwumms
Zum Artikel „Urteil reißt ein 60-Milliarden-Loch“ vom 16. November 2023:
„60 Milliarden Euro, die aus dem ,Corona-Fördertopf‘ nicht abgerufen wurden, dürfen also laut Verfassungsgericht nicht wie vorgesehen für Klimaschutzmaßnahmen verwendet werden. Nun, die staatlichen Subventionen für umweltschädliche Subventionen belaufen sich im Jahr 2018 (aktuellere Zahlen gibt es nicht) laut Bundesumweltamt auf fast den gleichen Betrag, nämlich auf 65,4 Milliarden Euro. Die Liste dieser Maßnahmen würde den Rahmen eines Leserbriefs sprengen, es fallen darunter mindestens 40 Tatbestände, z.B. das Dienstwagenprivileg. Alle diese Subventionen laufen einem notwendigen Klimaschutz deutlich zuwider. Als ,Ausgleich‘ hierfür sollten mit 60 Milliarden Euro Klimaschutz-Maßnahmen gefördert werden. Ein teures und letztlich unzureichendes Mittel. Niemand, der noch bei Sinnen ist und mit dem Fahrrad den Berg hochfährt, wird in die Pedale treten und dabei gleichzeitig die Bremse betätigen. Die Streichung der erwähnten Subventionen könnte die Konsequenzen des Gerichtsurteils auf einen Schlag auflösen. Das wäre dann wirklich einmal – nach Kanzler Scholz – ein ,Doppelwumms‘.“